Herausgegeben von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft 
 
 
Eine Ausbildungsstätte zur Erhaltung des Friedens
  
  

Das PSOTC ist auch heute noch die einzige militärische Schulungsstätte (des Westbalkans), in der junge Offiziere der Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina ausgebildet werden, welche aus allen drei ethnischen Volksgruppen stammen und die im Krieg vor etwas mehr als zehn Jahren teilweise noch aufeinander geschossen haben.

  Hans Ruedi Näf,
Oberst,
IB V, Stabschef des Peace Support Operations Training Centre (PSOTC),
Bosnien und Herzegowina (BuH).

Im September 2003 wurde zwischen dem Staat von Bosnien und Herzegowina und dem Verteidigungsministerium von Grossbritannien eine Vereinbarung über den Aufbau eines Peace Support Operations Training Centre mit Standort in Sarajewo getroffen. Die Schweiz hat sich als Partnernation im Projekt in der Aufbauphase mit personellen und finanziellen Mitteln beteiligt und sich damit für das Projekt als wertvoller und glaubwürdiger Partner ausgezeichnet.
  
Das bis anhin überaus erfolgreiche Projekt wird von zwölf Partnernationen unterstützt, wobei Grossbritannien als Initiator und Hauptsponsor des Projektes den Vorsitz hat. Nach erfolgreicher Etablierung der Ausbildungsstätte besteht die Absicht, in einigen Jahren die Führung und den Betrieb Bosnien und Herzegowina zu überlassen, jedoch mit nach wie vor internationaler Beteiligung.
  
Während der Bauphase des Ausbildungsgebäudes und parallel zur Entwicklung des Kursinhaltes konnte im Februar 2005 die Ausbildungstätigkeit mit einem ersten achtwöchigen Peace Support Operations Staff Course (PSOSC) aufgenommen werden. Zwei weitere achtwöchige Stabskurse folgten, sodass per Ende 2005 bereits 93 BuH-Offiziere erfolgreich ausgebildet waren. Sehr schnell wurde erkannt, dass der PSOSC zu erweitern ist, um weitere Ausbildungsbedürfnisse der BuH-Offiziere abzudecken.
  
Die PSOSC werden, wie auch alle anderen Kurse, ausschliesslich in englischer Sprache durchgeführt, was von den Teilnehmern sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift voraussetzt. Die BuH-Streitkräfte werden beim Erlernen der Sprache durch Organisationen wie das British Council unterstützt.
  
Heute, im zweiten Jahr seit Aufnahme der Ausbildungstätigkeit, finden sich als Hauptangebote im Kalender jährlich zwei PSOSC von 14 Wochen Dauer. Dem Namen PSOTC verpflichtet ist das Schwergewicht des Kurses, die Teilnehmer zu befähigen, in einem internationalen Stab für friedensfördernde Einsätze eingesetzt zu werden. Dabei sind die Ausbildungsinhalte von hohem Standard und beinhalten: Internationale Beziehungen; Führung (Leadership) und Ethik; Demokratische Kontrolle von Streitkräften; «Non Traditional Threats» (bspw. Massnahmen gegen organisierte Kriminalität, Terrorismus); Grundlagen und Doktrin der verschiedenen Gefechtsformen (angepasst an NATO-Doktrin); Kriegsvölkerrecht; Zivil-Militärische Kooperation (CIMIC); Kenntnis der Vereinten Nationen, von Nichtregierungsorga-nisationen (NGO) und staatlichen Organisationen sowie umfassend den Bereich der Doktrin, Planung und Durchführung von friedensfördernden Einsätzen.
  
Damit das hohe Ausbildungsniveau in den PSOSC erreicht werden kann, wird der Kurs durch auswärtige Referenten unterstützt. Besondere Ausbildungsblöcke wie Internationale Beziehungen, Demokratische Kontrolle von Streitkräften, Kriegsvölkerrecht oder Leadership werden durch das Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, das Genfer Zentrum für Demokratische Kontrolle von Streitkräften, das George C. Marshall Centre (Deutschland) und die Naval Post Graduate School Monterey (USA) unterstützt. Im Sinne der erweiterten Aufbauhilfe für BuH wird gegenwärtig auch versucht, eine Lehrvereinbarung mit der Universität von Sarajewo zu etablieren.
  
Im neu strukturierten PSOSC wird auch vermehrt das Arbeiten mit Computern gefördert. Auf mein Ersuchen hin hat die Schweizer Armee dem PSOTC 50 gebrauchte Laptops überlassen. Mit deren Hilfe haben die Teilnehmer im letzten Kurs einen Aufsatz im Umfang von 3000 Worten zu einem vorgegebenen Thema verfasst. Alle Einzelzimmer in der Unterkunft verfügen über einen Internetanschluss. So können die Teilnehmer auch am Abend und am Wochenende Recherchen durchführen. Die Arbeit mit den Computern soll die Teilnehmer befähigen, bei einem Einsatz in einem multinationalen Stab mit dem technischen Hilfsmittel umzugehen. Zurzeit sind BuH-Offiziere im Irak, Kongo sowie in Eritrea in PSO-Missionen im Einsatz und profitieren vom Gelernten aus ihrem PSO-Stabskurs.
  
Für den Kurs werden jeweils zu den 30 Teilnehmern aus BuH auch fünf Teilnehmer aus dem westlichen Balkan und fünf Teilnehmer aus den Partnernationen eingeladen. Zur Unterstützung der verschiedenen Kurse am PSOTC stehen mir neben einem Schweizer Berufsunteroffizier auch Offiziere und Unteroffiziere der BuH- Streitkräfte und lokale zivile Mitarbeiter zur Verfügung. Für die Durchführung der Kurse sind Offiziere im Grad Major oder Oberstleutnant aus den Partnernationen eingesetzt. Vermehrt werden auch fähige Offiziere aus den BuH-Streitkräften für das PSOTC rekrutiert und als Referenten und Gruppenleiter eingesetzt. Da nur die wenigsten der eingesetzten internationalen Offiziere Englisch als Muttersprache haben, ergibt es sich, dass in den PSOSC die Teilnehmer (wie im NATO-Umfeld üblich) auch mit dem «internationalen Englisch» mit skandinavischem, ungarischem oder türkischem Akzent vertraut werden.
  
Aus wirtschaftlichen Gründen wird das Ausbildungszentrum zwischen den einzelnen PSOSC an andere Organisationen vermietet, welche Kurse zu Gunsten des Verteidigungsministeriums oder der BuH- Streitkräfte durchführen. Die Unterstützung in Administration, IT und Transport wird den Mietern als Servicepaket angeboten. Das Angebot an Kursen und Seminarien, die im PSOTC Gastrecht geniessen, ist vielfältig. Anfang Jahr wurde ein UN-Militärbeobachter-Kurs durchgeführt, und Ende Jahr wird zum zweiten Mal ein «Disaster Management Seminar» des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik angeboten, welches Teilnehmer der verschiedenen Ministerien zusammenbringen wird.
  
Das PSOTC hat sich seit der Gründung im Herbst 2003 in kürzester Zeit ein hervorragendes Ansehen erarbeitet. Der Name PSOTC ist über die Westbalkanregion hinaus bis in die UNO und NATO bekannt geworden und steht für ein erfolgreiches Projekt unter Schweizer Beteiligung.
  
Neben diesem Erfolg ist es für mich faszinierend zu erfahren, wie hier Menschen miteinander zusammenarbeiten, die sich noch vor wenigen Jahren im Kampf gegenüber gestanden haben. Täglich erlebe ich, wie hier eine wachsende Kameradschaft bestehende Vorurteile überwinden hilft und wie sich ehemalige Kriegsgegner in der Arbeit gegenseitig respektieren, gemeinsam in der Diskussion Lösungen erarbeiten sowie miteinander die Freizeit gestalten.
Weitergehende Informationen zu den Kursen oder der Organisation des PSOTC sind unter http://www.psotc.org/ erhältlich.
 

     

aus Heft 10/2006

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Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift,

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